Update 2026

Endometriose verstehen & behandeln

Eine chronische Erkrankung, die 10-15% aller Frauen betrifft (ca. 2 Mio. in Deutschland). Mit den neuen S2k-Leitlinien steigen die Chancen auf Schmerzfreiheit auf über 85%.

Aktuelle Statistik 2026

Prävalenz DE 1,76 Mio.
Diagnose-Verzögerung ~7 Jahre
Schmerzfrei nach OP 85-90%

1 von 10 Frauen betroffen

Was passiert im Körper?

Bei der Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an. Die häufigste Theorie ist die der retrograden Menstruation, kombiniert mit immunologischen und genetischen Faktoren.

Entzündung

Die Herde bluten zyklisch in den Bauchraum. Da das Blut nicht abfließen kann, entstehen chronische Entzündungen.

Verwachsungen

Als Reaktion bildet der Körper Narbengewebe. Organe (Darm, Blase, Eierstöcke) können miteinander verkleben.

Tief infiltrierend (DIE)

Bei ca. 20-30% wachsen Knoten tiefer als 5mm in das Gewebe ein – oft betroffen sind Darm oder Harnleiter.

Mehr zu Darmbefall →

Diagnostik: Der Weg zur Klarheit

  • Anamnese & Tastuntersuchung

    Der erste Schritt. Schmerzprotokolle helfen.

  • Vaginaler Ultraschall (TVUS)

    Erkennt Zysten (Endometriome) an den Eierstöcken sehr gut. Tiefinfiltrierende Herde erfordern Degum II/III Experten.

  • Laparoskopie (Bauchspiegelung)

    Der Goldstandard. Nur hier können Herde sicher diagnostiziert und gleichzeitig entfernt werden (Histologie).

Biomarker CA-125?

Der Tumormarker CA-125 ist bei Endometriose oft erhöht, aber unspezifisch. Die Leitlinie 2026 empfiehlt ihn nicht als alleiniges Screening-Tool.

Datenbasis: S2k-Leitlinie 2026

Therapie-Optionen im Vergleich

Therapie Erfolgsrate Kosten Dauer Risiken Info
Hormontherapie (Gestagene) 60-80% (Linderung) € (Kasse) Dauerhaft Libidoverlust, Stimmung Details →
Laparoskopie (Exzision) 85-95% (Sanierung) €€€ (Kasse) 45-90 min (OP) Narkose, Organverletzung (<2%) OP-Ablauf →
Multimodale Schmerztherapie ~70% €€ Laufend Magen (NSAR), Abhängigkeit Info →
Dienogest (z.B. Visanne) 75% €€ 6-24 Monate Blutungsstörungen, Kopfschmerz Hormone →
GnRH-Analoga (Künstl. Wechseljahre) 80% €€€ 3-6 Monate Knochendichte, Hitzewallungen Info →
HIFU / Sonata (Neu) ~65% (Datenlage gering) €€€€ (Selbstzahler) ~2 Stunden Unbekannte Langzeitfolgen In Studie
Ernährung & Lifestyle 40-60% Dauerhaft Keine Risiken Ernährung →

* Erfolgsraten beziehen sich auf Schmerzreduktion >50% nach 12 Monaten. Quelle: Meta-Analysen 2020-2025.

Experten finden

Die Qualität der Erstbehandlung entscheidet oft über den weiteren Krankheitsverlauf. Suche gezielt nach zertifizierten Zentren (Stufe I-III).

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Häufige Fragen (FAQ)

Ist Endometriose heilbar?
Aktuell gilt Endometriose als chronische Erkrankung und ist nicht vollständig heilbar. Mit den Wechseljahren (Menopause) verschwinden die Beschwerden meist, da der Östrogenspiegel sinkt. Moderne Therapien (Exzision) können jedoch über Jahre Beschwerdefreiheit ermöglichen.
Zahlt die Krankenkasse die OP?
Ja, medizinisch notwendige Bauchspiegelungen (Laparoskopien) und die Entfernung von Endometrioseherden sind Kassenleistung. Dies gilt auch für die stationäre Aufnahme in zertifizierten Zentren.
Wie schnell wächst Endometriose?
Das Wachstum ist sehr individuell. Bei manchen Frauen bleibt der Befund jahrelang stabil, bei anderen (besonders jungen Frauen) kann die Krankheit aggressiv fortschreiten ("Deep Infiltrating Endometriosis"). Regelmäßige Kontrollen (alle 6-12 Monate) sind wichtig.
Was ist der Grad der Behinderung (GdB)?
Je nach Schweregrad und Organbefall (z.B. Darm, Blase) kann ein GdB zwischen 0 und 60 (in schweren Fällen höher) festgestellt werden. Die Endometriose Vereinigung bietet hierzu Beratung an.
Quellen: [1] S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose (AWMF 2025/2026), [2] Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V., [3] Frauenaerzte-im-Netz.